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Studie zu Herausforderungen von produzierenden Start-ups unterstützt Entwicklungsprozess junger Unternehmen

Ein Team aus wissenschaftlichen Mitarbeitern der Fakultät Maschinenbau unter der Leitung von Prof. Stefan Galka hat die Herausforderungen produzierender Start-ups analysiert und interessante Erkenntnisse gewonnen.

„In unserer Umfrage haben wir 77 Start-ups, davon 23 produzierende Start-ups, zu deren Eigenschaften und Herausforderungen befragt. Welche Gegebenheiten liegen in deren Produktion vor, was führt zu Herausforderungen und welche Zusammenhänge gibt es zwischen den Eigenschaften und den vorliegenden Herausforderungen? Diese Fragen haben wir uns gestellt und wollten wir beantworten“, sagt Lukas Schuhegger über die Studie.

In dem Verbundprojekt „StaR – Stack Revolution“ übernimmt die Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg (OTH Regensburg) die Fabrikplanung eines Start-ups, welches Wasserelektrolysestacks in die Serienfertigung bringen möchte. Im Projekt werden Produktions- und Logistikkonzepte entwickelt, um die Herstellungskosten zu senken. Validiert werden die Konzepte mithilfe eines Digitalen Zwillings. Um einen besseren Einblick in die Gründerszene zu erhalten, vorherrschende Herausforderungen besser zu verstehen und diese Kenntnisse weiterzugeben, wurde eine Studie für produzierende Start-ups durchgeführt.

Ratschläge von Start-ups für Start-ups

„Durchhalten“, unter diesem Begriff wurden die meisten Nennungen zusammengefasst, hier einige wortwörtliche Zitate aus der Umfrage: „Verfolgt eure unternehmerische Vision ausdauernd und hartnäckig“, „Zieht es durch!“, „Auch wenn es lange dauert, dranbleiben, irgendwann klappt es!“. Auf Platz zwei der Ratschläge landete der Überbegriff „Kontakte“, hier ging es generell um den Aufbau eines Netzwerkes für das Startup. Auf Platz drei landete der Begriff „Team“, eine große Bedeutung stellt demnach die richtige Wahl der Mitgründer*innen und Kolleg*innen für die Start-ups dar.

Produzierenden Startups lassen sich anhand der Eigenschaften charakterisieren

Alle Teilnehmenden wurden in Branchen eingegliedert und Start-ups mit eigener Produktion detaillierter zu Eigenschaften in den Kategorien Produkt, Produktion, Logistik, Beschaffung und IT befragt. Die Produktion der befragten Start-ups erweist sich als heterogen und ist auf deren Gegebenheiten zugeschnitten. Eine Erkenntnis in der Logistik ist, dass produzierende Start-ups ähnlich aufgestellt sind, so findet der Transport von Waren überwiegend von Hand statt, das Lager ist manuell und Transportaufträge werden auf Zuruf angestoßen. In speziellen Fällen oder bei Start-ups in späteren Phasen wird vereinzelt auf Automatisierung gesetzt. Auch in der Beschaffung ist ein durchgängiges Bild erkennbar, die Mehrheit gibt an, einen Einheiteneinkauf zu betreiben und ihre Materialien sowohl bei Großhändlern als auch direkt bei Produzenten zu beschaffen. Im IT-Bereich setzen fast alle Start-ups auf Konsumer*innensoftware wie Office-Programme und Spezialsoftware wie CAD-Programme zur Konstruktion, erweitern aber ihre IT-Landschaft in den fortschreitenden Phasen.

Bestimmte Eigenschaften begünstigen Herausforderungen

Aus den Antworten wurden einige Zusammenhänge zwischen Eigenschaften und Herausforderungen identifiziert, an dieser Stelle wird nur ein Ausschnitt genannt. Produzierende Start-ups mit großen Produkten haben häufiger angegeben, mit der Herausforderung der Flächenbelegung in Produktion und Logistik konfrontiert zu sein. Fertigt ein Start-up nach Auftrag, so ergeben sich häufiger Herausforderungen im Zusammenhang mit dem Datenaustausch zum Kunden. Wird in der Beschaffung auf Multiple Sourcing gesetzt, liegt häufiger eine mangelnde Bedarfsplanung vor und die Qualität der Anlieferteile ist häufiger unzureichend.

Über ein entwickeltes Phasenmodell lässt sich der zeitliche Verlauf von Startups analysieren

Mittels Expert*inneninterviews wurde ein Phasenmodell für produzierende Start-ups entwickelt, welches die Grundlage für die Umfrage darstellte. Die Teilnehmenden der Studie wurden anhand der Antworten in das Phasenmodell eingeordnet. Es ist erkennbar, dass Start-ups, welche früher eingeordnet sind, weniger Mitarbeitende besitzen, frisch gegründet wurden, überwiegend ein Produkt in der Testphase besitzen und einen Einzelarbeitsplatz in der Produktion aufweisen. Start-ups, welche späteren Phasen zugeordnet sind, sind hingegen älter, haben fast immer ein vollständig funktions- und verkaufsfähiges Produkt, fertigen überwiegend nach dem Fließprinzip und setzen generell häufiger auf IT-Systeme wie ERP, PDM, WMS oder MES.

Start-ups profitieren von den Erkenntnissen

Der erstellte Report enthält zudem einen Guide wie Start-ups sich selbst in das Phasenmodell einordnen können. In Kombination mit den präsentierten Zusammenhängen zwischen Eigenschaften und Herausforderungen hat jedes Start-up die Möglichkeit, zukünftige Herausforderungen zu identifizieren und frühzeitig auf diese zu reagieren.

Der Report „Herausforderungen von produzierenden Startups“ ist online abrufbar. Fragen zur Studie und zu Produktions- und Logistikkonzepten für junge Unternehmen beantwortet Lukas Schuhegger (lukas.schuhegger(at)oth-regensburg.de, +49 (0) 941 943-9410).

Wortwolke: Zukünftige Herausforderungen produzierender Start-ups
Die Wortwolke zeigt zukünftige Herausforderungen produzierender Start-ups. Grafik: Lukas Schuhegger